Charaktere: 7 | 3m 2w 2n

Besetzung: 7 Darsteller | Variationen möglich

Spieldauer: 90

Spielalter: Erwachsene, Jugendliche

Publikum: Ab 12

Szenen/Akt: 8 Szenen

Bilder: 1

Tarif: 4

Mindestgebühr/Auff.: 60,00 EUR

Us and Them?

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Us and Them?

Ein theatraler Parkours. Von Ulrich Lauterbach.

Eine Tür. Paletten. Eine Wand, die Bilder zeigt. Musik. Mehr braucht dieses Stück nicht, und mehr will es auch nicht. Die Tür führt nirgendwo — und überall — hin. Sie ist Eingang, Ausgang, Grenze, Möglichkeit. Sie leuchtet, pulsiert, bleibt.

„Us and Them?" ist kein klassisches Drama, kein Stück mit Anfang, Mitte und Ende

Es ist eine Theatercollage. Es ist ein Parkours. Es ist nicht linear. Es ist eine Folge von Szenen, die nebeneinander stehen, sich kommentieren, widersprechen, aufeinander antworten, ohne dass eine die andere erklärt.

Das Setting ist als konsequenter Systemraum gedacht. Es gibt keinen realistischen Ortswechsel, sondern eine Reihe gesellschaftlicher Kontexte, die im selben Raum aufgerufen werden.

Die Figuren sind keine Charaktere. Sie haben keine Biografie, keine Entwicklung, keine Psychologie, die man durchleuchten kann. Sie sind Haltungen. Positionen. Menschen, die reden, während andere leiden oder sterben. Und die das manchmal selbst bemerken, manchmal nicht.

Acht Szenen, ein Parkours. Jede eine andere Welt — und immer dieselbe:

Z kommt aus einem Land, das es nicht mehr gibt. A und B diskutieren über Kräutersoße. Sura schreibt einen Brief und sucht jemanden, den es so nicht gibt. Woyzeck dreht durch — wie seit zweihundert Jahren; er ist noch immer hier. Zwei Menschen lieben sich über eine Grenze hinweg, die ihre Familien mit Blut gezogen haben. Eine Aufführung eskaliert und bringt alle an ihre Grenzen. Der Doktor kennt den Wert eines Menschen. Ein Mann über sechzig hält inne und fragt sich, ob Innehalten genug ist. Ein Mensch sagt Nein. Ein Kind nimmt eine Spraydose.

Im Zentrum stehen Fragen nach Verantwortung und Gehorsam, nach Zugehörigkeit und Ausgrenzung, nach Widerstand und Müdigkeit. Das Stück zeigt, wie leicht es ist, sich einzurichten – und wie schwer es wird, „Nein“ zu sagen

Es arbeitet mit Musik, Choreografie und Projektion. Nicht als Dekoration, sondern als gleichberechtigte Sprache. Ein Song strukturiert, wo Worte nicht ausreichen. Ein Bild sagt, was niemand ausspricht. Eine Bewegung zeigt, was Sprache verbirgt.

„Us and Them?" will nicht beruhigen. Es will Aufmerksamkeit — körperlich wie emotional. Wer zusieht, ist dabei. Und dabei sein ist auch eine Entscheidung.

Am Ende steht keine Antwort. Nur die Frage, die das Stück von Anfang an stellt; die der Titel bereits verrät:

Us and Them? — Das Fragezeichen gehört dazu.




Theaterpädagogische Betrachtung zu „Us and Them?“

Ein theatraler Parkours von Ulrich Lauterbach


1. Inhalt und Themen

Us and Them? ist kein klassisches Theaterstück mit einer durchgehenden Handlung, sondern eine vielschichtige Theatercollage, die das Publikum auf einen theatralen Parkours durch unterschiedliche gesellschaftliche Wirklichkeiten führt. Die einzelnen Szenen stehen scheinbar unabhängig nebeneinander und sind doch durch eine gemeinsame Fragestellung miteinander verbunden: Wie gehen wir als Gesellschaft mit dem „Anderen“ um?

Im Mittelpunkt stehen Themen wie Ausgrenzung, Krieg, Flucht, Verantwortung, Zivilcourage, Gehorsam, Macht, Gleichgültigkeit und Menschlichkeit. Dabei verzichtet das Stück bewusst auf einfache Antworten. Es eröffnet vielmehr Denk- und Erfahrungsräume, in denen das Publikum eigene Positionen hinterfragen und neu bestimmen kann.

Die titelgebende Frage „Us and Them?“ verweist auf eine der grundlegendsten gesellschaftlichen Trennlinien überhaupt: Wer gehört dazu – und wer nicht? Das Fragezeichen macht deutlich, dass diese Einteilung weder selbstverständlich noch unumstößlich ist.


2. Dramaturgische Struktur und Figuren

Das Stück folgt keiner linearen Erzählstruktur. Stattdessen entwickelt sich ein Mosaik aus acht eigenständigen Szenen, die unterschiedliche Perspektiven auf gesellschaftliche Konflikte eröffnen.

Jede Szene bildet einen eigenen Mikrokosmos und behandelt Fragen nach Identität, Verantwortung und menschlichem Handeln. Die Übergänge erfolgen nicht über Handlung, sondern über Assoziationen, Bilder, Musik und Atmosphäre.

Die Figuren besitzen bewusst keine ausgearbeiteten Biografien oder psychologischen Entwicklungen. Sie stehen vielmehr für gesellschaftliche Haltungen und Denkweisen. Dadurch entsteht eine große Offenheit für unterschiedliche Interpretationen und Besetzungen.

Diese Form ermöglicht es, dass nicht einzelne Figuren, sondern die Themen selbst zu den eigentlichen Protagonisten werden.


3. Theaterpädagogische Chancen

a) Rollen- und Figurenarbeit

Die Figuren laden dazu ein, weniger psychologisch als vielmehr über Haltung und Präsenz zu arbeiten.

Dabei können folgende Fragestellungen im Mittelpunkt stehen:

  • Wie verkörpert man eine gesellschaftliche Position?
  • Wie verändert sich eine Szene durch unterschiedliche innere Haltungen?
  • Wann wird aus Mitläufertum Verantwortung?
  • Wie zeigt sich Zivilcourage körperlich und sprachlich?

Die Offenheit der Figuren ermöglicht es den Spielenden, eigene Erfahrungen und Sichtweisen einzubringen und ihre Rollen aktiv mitzugestalten.

b) Bühne und Raum

Der reduzierte Bühnenraum eröffnet zahlreiche kreative Möglichkeiten.

Eine Tür, Paletten, Projektionen und Musik genügen, um unterschiedlichste Orte entstehen zu lassen.

Gerade diese Reduktion fordert die Fantasie der Spielenden und des Publikums heraus.

Die Tür entwickelt sich dabei zum zentralen Symbol:

  • Grenze und Übergang
  • Hoffnung und Ausgrenzung
  • Entscheidung und Möglichkeit
  • Anfang und Ende zugleich

Die Bühne wird damit weniger zum Ort einer Geschichte als vielmehr zum Erfahrungsraum gesellschaftlicher Fragestellungen.

c) Musik, Projektionen und Bewegung

Us and Them? versteht Musik, Bild und Bewegung als gleichwertige theatrale Ausdrucksformen.

Dadurch ergeben sich vielfältige theaterpädagogische Arbeitsfelder:

  • Entwicklung choreografischer Übergänge
  • Arbeit mit Standbildern
  • Einsatz von Projektionen als eigenständige Erzählebene
  • musikalische Gestaltung von Atmosphären
  • Rhythmus als dramaturgisches Mittel

Besonders spannend ist die Frage, wie Musik oder Bilder eine Szene verändern können, ohne dass ein einziges Wort gesprochen wird.

d) Themenarbeit

Das Stück eröffnet intensive Diskussionen über gesellschaftliche und politische Fragestellungen, ohne dabei belehrend zu wirken.

Mögliche Themen sind:

  • Zugehörigkeit und Ausgrenzung
  • Flucht und Migration
  • Krieg und Frieden
  • Vorurteile und Feindbilder
  • Verantwortung des Einzelnen
  • Zivilcourage
  • Demokratie und Mitbestimmung
  • Macht und Gehorsam
  • Menschlichkeit im Alltag

Dabei eignet sich das Stück besonders für projektorientiertes Arbeiten, bei dem gesellschaftliche Themen mit persönlichen Erfahrungen verbunden werden.

e) Dramatisches Spiel und Ensemblearbeit

Da keine klassische Handlung im Mittelpunkt steht, gewinnt das Zusammenspiel des Ensembles besondere Bedeutung.

Mögliche Schwerpunkte:

  • chorisches Sprechen
  • chorische Bewegung
  • Entwicklung gemeinsamer Bildkompositionen
  • fließende Rollenwechsel
  • Improvisationen zwischen den Szenen
  • Arbeit mit Symbolen und Metaphern

Das Ensemble wird zum eigentlichen Träger der Inszenierung.


4. Reflexion und Nachgespräch

Nach einer Aufführung bietet das Stück zahlreiche Gesprächsanlässe.

Mögliche Fragestellungen:

  • Wer sind eigentlich „Wir“ – und wer sind „Die Anderen“?
  • Wann beginnt Ausgrenzung?
  • Welche Verantwortung trägt jede und jeder Einzelne?
  • Warum fällt es oft schwer, Haltung zu zeigen?
  • Welche Rolle spielen Sprache und Bilder bei der Entstehung von Vorurteilen?
  • Wann wird Schweigen zu Zustimmung?
  • Wo begegnen uns die Themen des Stückes im eigenen Alltag?

Gerade weil das Stück keine fertigen Antworten liefert, entstehen intensive Diskussionen über gesellschaftliches Zusammenleben.


5. Methodische Impulse für Workshops

Improvisation

  • Entwicklung eigener Szenen zum Thema „Wir und die Anderen“.
  • Alltagssituationen, in denen Ausgrenzung oder Solidarität sichtbar werden.
  • Entscheidungen zwischen Mitlaufen und Widersprechen.

Körperarbeit

  • Arbeit mit Nähe und Distanz.
  • Grenzen körperlich erfahrbar machen.
  • Entwicklung gemeinsamer Bewegungsbilder.

Szenisches Schreiben

  • Eigene Monologe zum Thema Verantwortung.
  • Briefe, innere Stimmen oder Gedanken der Figuren weiterschreiben.
  • Alternative Szenen entwickeln.

Musik und Bild

  • Eigene Soundcollagen gestalten.
  • Projektionen oder Fotografien als Ausgangspunkt szenischer Entwicklungen nutzen.
  • Standbilder zu gesellschaftlichen Konflikten entwickeln.

Ensemblearbeit

  • Chorisches Erzählen.
  • Gemeinsame Bewegungssequenzen.
  • Entwicklung symbolischer Übergänge zwischen den einzelnen Stationen des Parkours.


Fazit

Us and Them? ist ein außergewöhnliches Theaterprojekt, das klassische Erzählformen bewusst verlässt und stattdessen auf Assoziation, Atmosphäre und gesellschaftliche Reflexion setzt. Die offene Struktur fordert Spielende wie Publikum gleichermaßen heraus und eröffnet vielfältige Möglichkeiten für kreative, körperliche und interdisziplinäre Theaterarbeit.

Theaterpädagogisch überzeugt das Stück insbesondere durch seine Aktualität. Es ermöglicht Jugendlichen und Erwachsenen gleichermaßen, sich mit Fragen von Identität, Zugehörigkeit, Verantwortung und gesellschaftlichem Zusammenleben auseinanderzusetzen. Musik, Projektionen, Bewegung und Sprache verschmelzen zu einer gemeinsamen Ausdrucksform und machen Theater zu einem Erfahrungsraum, der nicht Antworten liefert, sondern Fragen stellt.

Gerade darin liegt die besondere Stärke von Us and Them?: Das Stück fordert dazu auf, eigene Haltungen zu überprüfen, Widersprüche auszuhalten und sich bewusst mit der Frage auseinanderzusetzen, die über der gesamten Inszenierung steht:

Wer sind „wir“ – und wer sind „die anderen“?